Bornhagen

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Wieder einmal versagt ein Qualitätsmedium bei der Auseinandersetzung mit dem AfD-Rechtsaußen

Bornhagen, ein 300-Einwohner-Ort an der thüringischen Grenze zu Hessen, der nur deswegen bundesweite Bekanntheit erlangte, weil der dortige AfD-Landesvorsitzende und  Anführer des sogenannten „Flügels“, Björn Höcke, das Dörflein einst als sein Wohnsitz auserkor und moralisch fragwürdige Politaktivisten wiederholt meinten, Höcke an der Privatanschrift seiner Familie aufsuchen zu müssen.

Nun will Focus-online unmittelbar vor der thüringischen Landtagswahl herausgefunden haben, dass Höckes Gegenwart im Ort von den Bewohnern „unerwünscht“ sei. Höcke hätte zwar bei der letzten Wahl im Jahr 2014, immerhin 36,5 Prozent der Stimmen geholt, aber damals habe auch noch niemand gewusst, wes Geistes Kind der Mann eigentlich ist. Nach dem Anschlag von Halle sei das „Unbehagen“ über Höcke noch gestiegen. Er sei ein „Rattenfänger“, dessen „krude“ politischen Ansichten dem Ruf des Ortes schadeten. „Zöge er fort, würden die Bornhagener sofort eine Kerze anzünden“, zitiert der Focus einen anonymen angeblich alteingesessenen Bornhagener.

Über den Wert empirischer Erhebungen lässt sich im Einzelfall streiten; in diesem Fall nicht. Die Stichprobe der Focus-Journalisten bezog sich auf genau zwei (!) Bornhagener –  die sich zudem zwar kritisch über Höcke äußerten, aber gleichzeitig auch Kritik am Umgang der Medien mit Höcke übten. Daraus zu schließen, Höcke sei in seinem Wohnort unbeliebt oder gar unerwünscht, entbehrt jeder Grundlage und ist schlichtweg unprofessionell. Und da wundert es sich nicht, dass sich die Einschätzung des Focus mit der Landtagswahl als gänzlich falsch herausstellte. Höcke errang in Bornhagen immerhin 38,8 Prozent der Stimmen und damit sogar ein wenig mehr als bei der letzten Wahl. Er erreichte zudem ein Ergebnis, von dem die etablierten Parteien vielerorts nur träumen konnten. Sollte uns das überraschen? Mal ehrlich, was haben die Bornhagener wohl gedacht, als die ortsfremden „Künstler“ vom „Zentrum für politische Schönheit“ ankündigten, Höcke auf dem Grundstück seiner Familie zu observieren? Was haben sie wohl gedacht, als „Journalisten versucht haben, von Höckes Kindern Dinge über ihren Vater zu erfahren“? Manchmal scheint es, als hätten die Medien ein Interesse, Höcke immer mehr Wähler zuzutreiben.

Dabei bietet Höcke riesige Angriffsflächen, die sich für eine sachliche und unaufgeregte Auseinandersetzung anbieten würden. Dazu gehört im Übrigen auch das Ergebnis der Landtagswahl. Denn Höcke erhielt in seinem Wahlkreis Eichsfeld I lediglich 21,4 Prozent der Erststimmen und damit deutlich weniger als der CDU-Kandidat Thadäus König, der es auf immerhin 49 Prozent der Stimmen brachte. Höcke blieb damit in seinem eigenen Wahlkreis auch deutlich unter dem Landesschnitt der Partei, was einiges über seine Akzeptanz aussagt. Vielleicht hat er ein menschelndes Verhältnis zu seinen unmittelbaren Nachbarn. Trotz seiner medialen Reichweite ist es ihm jedoch nicht gelungen, die Menschen von sich zu überzeugen. Gewählt wurde nicht er, sondern die Partei. Darüber wurde jedoch kaum berichtet.

Beitragsbild: Geralt/Pixabay/Modifikation: KDH

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